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Kontraktur

Januar 13, 2008

Der Begriff Kontraktur (lat. contrahere: zusammenziehen) definiert eine irreversible Bewegungseinschränkung des Gelenks, diese in seiner extremsten Form sogar eine komplette Versteifung dieses beinhaltet. Zurückzuführen ist diese auf eine Verkürzung von Muskeln, Sehnen und Bändern und lässt sich in erster Linie auf einen Bewegungsmangel zurückführen – bereits nach drei Wochen Bewegungsmangel entwickelt sich die Muskulatur merklich zurück, ebenso lassen sich Veränderungen an Knochen und Gelenken festmachen. Aktiv ist es dem Betroffen vergönnt das Gelenk innerhalb seines natürlichen Bewegungsumfanges zu nutzen bzw. es ist komplett versteift. Unter passiver Mithilfe lässt sich ein solches Gelenk zumeist nur sehr gering und unter großen Schmerzen bewegen. Neben der Unterteilung in Beuge-, Streck-, Abduktions- und Adduktionskontraktur lassen sich verschiedene Ursachen beschreiben: eine myogen bedingte Kontraktur liegt ursächlich begründet in einer Erkrankung der Muskulatur, eventuell in Kombination mit einer Verletzung oder Entzündung der Knochen bzw. Gelenke, dieses kann beispielsweise bei der fibrösen Umwandlung der Muskelfasern bzw. der Muskelathrophie vorliegen. Im Unterschied dazu steht eine dermatogene Kontraktur, welche als Folge von einer Verbrennung, Verätzungen oder operativen Eingriffen auftreten kann, hier sorgt die daraus resultierende Vernarbung für eine erhöhte Gewebespannung und hemmt den Patienten das Gelenk vollends zu nutzen; sehr tief ins Gewebe gehende Narben können zu Verwachsungen mit Muskeln, Sehnen, Faszien und sogar den Knochen führen und die Versteifung entsprechend intensivieren. Ein weiterer Vertreter ist die fasziogene Kontraktur, hierbei ist es zu einer Schrumpfung der Faszien, sprich der gewebeartigen Hüllenstruktur einzelner Muskeln bzw. Muskelgruppen, oder der Aponeurosen, sprich der Sehenhaut bzw. der flächenhafte Ansatz der Muskeln, gekommen und ist zumeist zurückzuführen auf eine Entzündung, Verletzung oder einer unphysiologischen Lagerung (ein gestörter Muskeltonus lässt den kontrahierten Muskel das Gelenk dauerhaft in die Fehlstellung ziehen). Als Beispiel sei bezüglich der fasziogenen Kontraktur die Dupuytren-Kontraktur (Beuge-Kontraktur der Finger) nicht unerwähnt. Infolge eines Apoplex stößt man gelegentlich auf eine neurogene Kontraktur, welche ursächlich in einem Ausfall oder einer Schädigung von Nerven begründet liegt, ebenso kann diese eine Folge von zerebralen Durchblutungsstörungen oder dem verletzungs- oder degenerationsbedingten Ausfall von (peripheren) Nerven begründet liegen. Arthrose- oder gar Arthritis-Betroffene sehen sich nicht selten einer arthrogenen Kontraktur konfrontiert: Die Ursache liegt im Gelenk und kann im Zusammenhang mit jener Entzündung bzw. degenerativen Gelenkveränderung betrachtet werden, als ein möglicher Auslöser sei hier eine mögliche Fraktur oder ein operativer Eingriff genannt. Als ein Beispiel für eine arthrogen verursachte Kontraktur sei die Gonarthrose erwähnt, diese eine Beugekontraktur nach sich ziehen kann, aber auch die Koxarthrose kann in eine Beuge-Adduktions-Außenrotations-Kontraktur münden. Ein weiterer Grund für eine Kontraktur kann ein psychisches Trauma sein, dieses mitunter bewusst oder unbewusst eine psychogene Kontraktur nach sich ziehen kann. Im Rahmen einer schmerzbedingten Kontraktur hingegen versucht der Betroffene jegliche der Schmerzen förderlichen Bewegung zu vermeiden und fördert dementsprechend die Versteifung des Gelenks. Während des pflegerischen Alltages sieht man sich gehäuft einer Spitzfußkontraktur ausgesetzt, diese eine Bewegung des Vorfußes in Richtung Fußsohle (Plantarflexion) sowie eine Dorsalextension der Fußinnenfläche mit sich bringt – dem Patienten ist es nur noch möglich auf Zehenspitzen sowie ohne Abrollen zu gehen. Da Kontrakturen irreversibel sind – durch Training lassen sich lediglich vorübergehende Funktionseinschränkungen beispielsweise infolge einer Gipsbehandlung wiederrückgängigmachen – liegt der Schwerpunkt im pflegerischen Alltag im Bereich der Kontrakturenprophylaxe, beispielsweise die Spitzfußprophylaxe mtihilfe eines Schaumstoffkissens, welche die Füße bei bettlägerigen Patienten temporär in einer zu den Beinen senkrechten 90°-Haltung bugsiert, mit sich bringt, oder etwa ein intervallweise durchgeührter Postitionswechsel (physiologische Mittelstellung) in Kombination mit Lagewechseln sowie – sofern möglich – Bewegungsübungen bzw. dem passiven Durchbewegen der Gelenke. Wichtig ist, dass der Patient die Sinnhaftigkeit dieser Übungen weiß, versteht und motiviert ist, diese auszuführen, ebenso stellt eine möglichst frühe Mobilisation eine weitere wichtige prophylaktische Maßnahme dar. Einer Beugespastik kann durch Streichung über die Extensoren bzw. den Antagonisten versucht werden Milderung zu verschaffen, ebenso sollte auf eine (Super-)Weichlagerung des Betroffenen verzichtet werden, da diese die Eigenbewegung des Patienten hemmen würde. Hilfsmittel, Handexpander und Gummi-Noppen-Bälle zwecks Griff-Training sollten wohlüberlegt und gezielt genutzt werden.